Briefumschläge aus direktrecyceltem Altpapier
Stellungnahme des Öko-Instituts e.V.
im Auftrag der DRP GmbH - Direkt Recycelte
Papierprodukte
Freiburg, Juli 1996
Bearbeitung
Dipl.-Ing. (Univ.) Carl-Otto Gensch
Öko-Institut e.V., Institut für angewandte Ökologie
| Geschäftsstelle Freiburg | Büro Darmstadt | Büro Berlin |
| Postfach 6226 | Bunsenstraße 14 | Friedrichstraße 165 |
| 79 038 Freiburg | 64 293 Darmstadt | 10 117 Berlin |
| % 07 61 / 4 52 95 - 0 | % 0 61 51 / 81 91 - 0 | % 0 30 / 201 65 08 - 0 |
| ) 07 61 / 47 54 37 | ) 0 61 51 / 81 91 - 33 | ) 0 30 / 201 65 08 - 8 |
Briefumschläge
aus direktrecyceltem Altpapier
Stellungnahme
des Öko-Instituts e.V.
im Auftrag der DRP GmbH - Direkt Recycelte Papierprodukte
1.
Einführung
Die vor kurzem gegründete Gesellschaft für Direkt Recycelte Papierprodukte (DRP) hat ein Verfahren zur Marktreife entwickelt, mit dem Altpapiere ab dem Format DIN A 4 direkt zu Briefumschlägen verarbeitet werden können. Gegenüber der herkömmlichen Herstellung von Briefumschlägen aus Recyclingpapier kann durch die direkte Wiederverwendung des Altpapiers auf eine Reihe von durchaus umweltbelastenden papiertechnischen Prozessschritten, darunter insbesondere die Altpapieraufbereitung, verzichtet werden. Die DRP hat nunmehr das Öko-Institut e.V. beauftragt, im Rahmen einer kurzen Stellungnahme die mit der neuen Technik erreichbaren Umweltentlastungen darzustellen.
Konventionelle Briefumschläge werden allgemein, abhängig von den
Anforderungen und vom Einsatzzweck, aus holzfreien und/oder holzhaltigen
Papieren oder aus Recyclingpapieren hergestellt. Während die erstgenannten Papiersorten aus primären
Faserstoffen (Zellstoffe bzw. Holzstoffe)
unter Einsatz von Holz erzeugt werden, erfolgt die Herstellung von Briefumschlägen
aus Recyclingpapier unter Verwendung des (sekundären) Rohstoffes Altpapier.
Mit dem Direktrecycling wird der Rohstoff Altpapier direkt weiterverwendet.
Dies bedeutet, dass die Prozessschritte des Altpapieraufbereitens und der
Papierherstellung bei dem neuen Verfahren entfallen (vgl. Abbildung 1). Bei der
eigentlichen Umschlagfertigung bestehen, mit Ausnahme der veränderten Anordnung
der Falzlinien, keine Unterschiede zwischen dem konventionellen und dem
neuartigen Verfahren.
In der vorliegenden Stellungnahme werden Briefumschläge
aus direktrecyceltem Altpapier ausschließlich mit Briefumschlägen aus
Recyclingpapier verglichen. Dies begründet sich wie folgt:
- In beiden Fällen wird der gleiche Rohstoff, d.h. Altpapier, eingesetzt.
-
Grundsätzlich ist bei Briefumschlägen der Einsatz von Recyclingpapier
gegenüber Neupapieren gesamtökologisch wesentlich günstiger zu beurteilen. Mit dem hier vorgenommenen Vergleich des Weiterverwendens von
Altpapier gegenüber der stofflichen Wiederverwertung von Altpapier werden somit
zwei Handlungsoptionen gegenübergestellt, die bei der Verwendung von
Neupapieren ökologisch überlegen sind.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die neuartigen Briefumschläge aus
direktrecyceltem Altpapier am Markt weniger mit den höherwertig anmutenden
Briefumschlägen aus Neupapieren als vielmehr mit Umschlägen aus
Recyclingpapier in Konkurrenz stehen werden.
In diesem Zusammenhang muss angemerkt werden, dass technische Eigenschaften und die Gebrauchstauglichkeit der Briefumschläge nicht Gegenstand dieser Stellungnahme sind, d.h. es wird implizit davon ausgegangen, dass Briefumschläge aus direktrecyceltem Papier mit konventionellen Briefumschlägen aus Recyclingpapier von den Gebrauchseigenschaften her gesehen vergleichbar sind.
Abb.
1:
Herstellung von Briefumschlägen; die grau gekennzeichneten
Prozessschritte
entfallen beim Direktrecycling von Altpapier
2. Konventionelle
Herstellung von Briefumschlägen aus
Recyclingpapier
Die Herstellung von konventionellen Briefumschlägen aus Recyclingpapier kann grob in folgende Prozessschritte unterteilt werden:
-
Erfassung, Sammlung und Sortierung von Altpapier
-
Altpapieraufbereitung
-
Papierherstellung
-
Umschlagfertigung
Die
Altpapiererfassung hängt stark davon
ab, in welchen Bereichen das Altpapier anfällt.
Während in den Bereichen Druck und Verarbeitung, Papierwarenhandel sowie
bei größeren Büros und Verwaltungen das Altpapier ausschließlich bzw. überwiegend
direkt dem Altpapierhandel angedient wird, erfolgt die Sammlung des in
Haushalten und im allgemeinen Handel anfallenden Altpapiers in der Regel über
kommunale oder private Entsorger. In Abhängigkeit vom Herkunftsbereich, aber
auch von der Marktlage an Altpapiersorten schließt sich an die Erfassung eine
Sortierung des Altpapiers an.
Die
Aufbereitung des Altpapiers und die anschließende Papierherstellung
werden in der Regel werksintegriert vorgenommen. Typische Grundprozesse der
Altpapieraufbereitung sind das Suspendieren, die Reinigung (einschließlich
De-Inking) sowie das Verbessern.
Das Suspendieren oder Auflösen des Altpapiers erfolgt in der Regel in sogenannten Pumpern unter Zugabe von Wasser. Das Ziel besteht darin, das Fasergefüge des Altpapiers in Einzelfasern zu zerlegen und den Einsatzstoff in einen zumindest pumpfähigen Zustand zu versetzen. Zur Reinigung der erhaltenen Suspension wird eine Reihe von verfahrenstechnischen Trennprinzipien angewandt, zum Beispiel mechanisch nach Größe und Form, nach spezifischem Gewicht, durch Waschung und Flotation etc.. Das Ziel des Verbesserns ist es, die Homogenität, Bindungsfähigkeit oder den Weißgrad des Sekundärfaserstoffes zum Beispiel durch Mahlen und Bleichung einzustellen. Die konkrete Anwendung der genannten Grundprozesse sowie die apparative Ausführung, Reihung bzw. Kombination der Verfahren erfolgen in Abhängigkeit von den Eigenschaften des eingesetzten Altpapiers und den Anforderungen an den zu erzielenden AP-Stoff. In Abbildung 2 wird der typische Verfahrensablauf zur Altpapieraufbereitung für grafische Papiere, also der für die Briefumschlagpapierherstellung eingesetzten Papierhauptgruppe, dargestellt.
Abb.
2: Typischer Verfahrensablauf zur
Altpapieraufbereitung bei grafischen
Papieren (nach
Weidhaas 1990)
Im
Anschluss an die Altpapieraufbereitung erfolgt die eigentliche Papierherstellung.
Hierzu wird im Prinzip aus der in der Aufbereitung erhaltenen
Faserstoffsuspension durch Abfiltrieren des Wassers eine feuchte Papierbahn
erzeugt, die in einer nachfolgenden Pressenpartie durch mechanischen Druck
komprimiert und weiter entwässert wird. Daran
schließt sich die sogenannte Trockenpartie an, bei der das restliche Wasser aus
der Papierbahn mit Hilfe von dampfbeheizten Zylindern weitgehend entzogen wird. Schließlich wird in der Regel das speziell für die
Briefumschlagherstellung eingesetzte Papier noch zur Erzielung einer glatten,
bedruck- oder beschreibbaren Oberfläche in sogenannten Kalandern mehrfach
gewalzt.
Zur
Umschlagfertigung wird zunächst das
von den Papierfabriken in Rollen- oder Bogenform gelieferte Papier zugeschnitten
und gestanzt. Danach schließt sich
das Aufbringen der Klebstoffe für die Umschlagklebung bzw. für die Verschlusslasche
sowie das Falzen und Verkleben der Umschläge an. Bei Umschlägen mit Adressfenstern
erfolgt dabei auch das Einkleben des Pergaminpapiers (ein aus hochgemahlenem
Zellstoff hergestelltes, besonders glattgewalztes und dadurch transparentes
Papier).
3. Herstellung von Briefumschlägen
durch Direktrecycling von Altpapier
Die
Grundidee des von der DRP zur Marktreife entwickelten Verfahrens besteht darin,
geeignete Altpapiere direkt, das heißt im Originalzustand zu Briefumschlägen
zu verarbeiten. Für das Verfahren
sind dabei grundsätzlich alle ungeknickten und unverschmutzten Altpapiere
geeignet, dies können u.a. veraltete Plakate (z.B. Wahlplakate, Stadtwerbung),
Druckmuster und Testmaterialien von Kopier- und Druckmaschinenherstellern,
sogenannte Remittenden (d.h. nicht verkaufte Zeitschriften, Illustrierten oder
Broschüren), sowie (ungelochte) Akten- und Archivbestände sein.
Wie
bereits eingangs ausgeführt wurde, wird durch das Direktrecycling der Rohstoff
Altpapier ohne papiertechnische Aufbereitungsschritte direkt weiterverwendet.
Bei der eigentlichen Umschlagfertigung bestehen keine grundsätzlichen
Unterschiede zwischen dem konventionellen und dem neuartigen Verfahren.
Beim neuartigen Verfahren ist es allerdings mit Hilfe einer neuartigen
Anordnung der Falzlinien möglich, bereits aus Altpapiervorlagen ab dem gängigen
DIN A 4-Format die besonders
marktrelevanten DIN-lang-Briefumschläge herzustellen.
4. Umweltentlastungen durch das
Direktrecycling
Durch
den Wegfall der Altpapieraufbereitung und der Papierherstellung beim
Direktrecycling können auch wesentliche Umweltbelastungen, die mit diesen Prozessschritten
verbunden sind, vermieden werden.
Dabei
kann in erster Näherung zwischen direkten und indirekten Umweltbelastungen
unterschieden werden. Kennzeichnend für direkte
Umweltbelastungen aus der Altpapieraufbereitung und der Papierherstellung
sind der Verbrauch an Wasser, Belastungen des Abwassers sowie der Anfall von
Reststoffen:
-
Der Verbrauch an Wasser kann
durch die Verwendung von Altpapier bei der Papierherstellung gegenüber
Neupapieren zwar deutlich verringert werden; der Frischwasserbedarf beträgt
allerdings auch bei modernen Anlagen mit Wasserrückführung etwa 4 cbm pro
Tonne Altpapierstoff.
-
Vergleichbar dazu liegen auch die Abwasserbelastungen
bei der Herstellung von Recyclingpapieren gegenüber der von Neupapieren
deutlich niedriger. Dennoch entstehen hier unvermeidbare Belastungen des
Abwassers, die zum einen aus den zur Aufbereitung und Behandlung eingesetzten
Chemikalien (Natronlauge, Fettsäuren, Bleichmittel), zum anderen aber auch aus
den im verarbeiteten Altpapier enthaltenen Problemstoffen (z.B. Druckfarben)
herrühren.
-
Der Anfall an Reststoffen ist insofern von besonderer Relevanz, als der größte
Anteil an Reststoffen aus der gesamten bundesdeutschen Papierindustrie auf den
Produktionszweig der Papierherstellung aus Altpapier entfällt. Besonders untere
Altpapiersorten enthalten große Mengen an papierfremden Verunreinigungen, die
im Aufbereitungsprozess als sogenannte Spuckstoffe ausgeschleust werden.
Daneben fallen vor allem beim Einsatz von Altpapier in den verschiedenen
Produktionsstufen der Papierherstellung Faserschlämme an. Wird zur
Druckfarbenentfernung eine Flotationsanlage betrieben, fallen zudem sogenannte
De-Inking-Schlämme an.
Neben diesen direkten Umweltbelastungen aus der Altpapieraufbereitung und Papierherstellung müssen allerdings auch indirekte Umweltbelastungen berücksichtigt werden:
-
Sowohl für die Altpapieraufbereitung als auch zur Papierherstellung muss
Energie (elektrischer Strom und Prozesswärme) bereitgestellt werden. Dies
führt zu einem Verbrauch an energetischen Ressourcen, zum anderen entstehen
Luftemissionen, und es fallen Abfälle (Aschen und Schlacken sowie Rückstände
aus der Rauchgasreinigung) an.
-
In der Altpapieraufbereitung müssen diverse Prozess- (zum
Beispiel Natronlauge und Fettsäuren, zum Teil auch Komplexbildner) und
Bleichchemikalien (in der Bundesrepublik nach dem Stand der Technik allerdings
chlorfreie Mittel wie Wasserstoffperoxyd) eingesetzt werden. Dieser
Chemikalieneinsatz trägt nicht nur zu den Abwasserbelastungen bei (siehe oben);
die Herstellung der Chemikalien ist ihrerseits wiederum mit einem Verbrauch an
Rohstoffen und Umweltbelastungen verbunden.
Zur
quantitativen Abschätzung der durch das Direktrecycling erreichbaren
Umweltentlastungen wurden Daten zur Altpapieraufbereitung und Papierherstellung
zugrundegelegt, die größenordnungsmäßig den derzeitigen Stand der Technik in
der Bundesrepublik repräsentieren. In
diesem Zusammenhang muss allerdings angemerkt werden, dass der Verbrauch an
Rohstoffen und Energieträgern sowie Emissionen und Abfälle stark von den
betrieblichen Gegebenheiten in den Papierfabriken abhängen.
In diesem Sinne sind die in Tabelle 1 zusammengefassten Zahlenwerte als
Orientierung zu verstehen, ohne dass damit die Aussagekraft der Schlussfolgerungen
geschmälert wird. Um der in den kommenden Jahren zu erwartenden Praxis in der
Behandlung der anfallenden Reststoffe aus der Altpapieraufbereitung Rechnung zu
tragen (vgl. Grießhammer et al.
1995), wurde unterstellt, dass diese Reststoffe in modernen Rückstandsverbrennungsanlagen
mit weitgehender Ausnutzung des Energiegehalts werksintegriert verbrannt werden.
Die
in Tabelle 1 aufgeführten Zahlenwerte beziehen sich auf die Herstellung von
1.000 Briefumschlägen mit einem Durchschnittsgewicht von 6 g pro Umschlag;
daneben wurde davon ausgegangen, dass sowohl bei der konventionellen als auch
bei der Herstellung nach dem DRP-Verfahren jeweils 10 % Papierverschnitt
anfallen.
Tab.
1: Umweltentlastungen durch das Direktrecycling von Altpapier
alle
Zahlenwerte
pro 1.000 Briefumschläge
|
Verbrauch
an Rohstoffen und Hilfsstoffen |
|
|
Altpapier |
1,1
kg |
|
Wasser |
40
Liter |
|
Hilfsstoffe
zur Altpapieraufbereitung und Papierherstellung |
0,4
kg |
|
Energieverbrauch |
|
|
Primärenergieträger,
gesamt |
60
- 80 Megajoule |
|
davon
Erdöl |
1
kg |
|
davon
Kohle |
1,5
kg |
|
Luftemissionen |
|
|
Kohlendioxid
(ohne regenerative Quellen) |
5,2
kg |
|
Kohlenmonoxid |
6,4
g |
|
Kohlenwasserstoffe |
7,8
g |
|
Schwefeldioxid |
6,6
g |
|
Stickoxide |
11
g |
|
Staub |
1,2
g |
|
Abwasseremissionen |
|
|
Absorbierbare
Halogenverbindungen (AOX) |
6,6
mg |
|
Biologischer
Sauerstoffbedarf |
92
mg |
|
Chemischer
Sauerstoffbedarf |
3,3
g |
|
Abfälle
und
Reststoffe |
|
|
Aschen
und Schlacken |
0,47
kg |
|
Rückstände
aus Rauchgasreinigung |
0,06
kg |
Die
durch das Direktrecycling von Altpapier zur Briefumschlagherstellung
erreichbaren Umweltentlastungen werden noch deutlicher, wenn nicht nur - wie
in Tabelle 1 vorgenommen - die Entlastungen pro 1.000 Umschläge, sondern die
möglichen Gesamtreduktionspotentiale unter Annahme einer weitgehenden
Substitution konventionell hergestellter Umschläge betrachtet werden.
In
der Bundesrepublik werden jährlich über 140.000 Tonnen Briefumschläge
produziert (STABU 1993), was bei dem hier angenommenen Verschnitt von rund 10%
einem Papierbedarf von knapp 155.000 Tonnen entspricht. Für die direkte Weiterverwendung von Altpapier ist
allerdings die Verfügbarkeit von ungeknickten und unverschmutzten Vorlagen
(in einem Format von DIN A 4 oder größer) Voraussetzung.
Um
das geeignete Altpapierpotential abzuschätzen, wird nachfolgend eine
Untersuchung der Papiertechnischen Stiftung herangezogen (Großmann et al.
1994), in der erstmals auf der Grundlage einer Marktumfrage das
Altpapieraufkommen in der Bundesrepublik sowohl nach Altpapiersorten
("gemischtes Altpapier", "weiße Akten" etc.) als auch
nach Anfallstellen ("Druck und Verarbeitung",
"Papierwarenhandel" bis "Haushalte") aufgeschlüsselt
wurde. Insgesamt wurde in dieser Umfrage für das Jahr 1991 eine
Altpapiermenge von knapp 4,4 Millionen Tonnen erfasst, was knapp 60 % des
gesamten Altpapieraufkommens in diesem Bezugsjahr entspricht. Zur konkreten
weiteren Abschätzung des zum Direktrecycling geeigneten Altpapierpotentials
wird von folgenden Randbedingungen ausgegangen (vgl. Tabelle 2):
-
Das in Haushalten, im Einzelhandel sowie im ein- und auspackenden
Gewerbe anfallende (und in der PTS-Umfrage ermittelte) Altpapieraufkommen
(zusammen: rund 3,3 Millionen Tonnen) wird im Sinne einer konservativen Abschätzung
für nicht geeignet angesehen, da bei diesen Anfallstellen eine
kontinuierliche Erfassung geeigneter, nicht geknickter Altpapiere nicht
zuletzt aus logistischen Gründen nicht angenommen werden kann.
-
Darüber hinaus wurde davon ausgegangen, dass nur bestimmte
Altpapiersorten zum Direktrecycling geeignet sind (zum Beispiel keine
Wellpappe, keine beschichteten Kartonagen etc.).
-
Schließlich wurde wiederum im Sinne einer konservativen Abschätzung
angenommen, dass lediglich zwischen 10 und 20 % der verbleibenden
Altpapiermenge zum Direktrecycling zur Verfügung gestellt werden können.
Aus diesen Überlegungen lässt sich das mögliche, geeignete Altpapierpotential auf rund 36.000 bis 72.000 Tonnen pro Jahr abschätzen, was zwischen 25 bis 50 % des jährlichen deutschen Papierbedarfs zur Umschlagherstellung entspricht. Die Bandbreite der bei Ausschöpfung dieses möglichen Potentials erreichbaren Umweltentlastungen ist in Abbildung 3 größenordnungsmäßig dargestellt.
Tab.
2: Abschätzung des zum Direktrecycling
geeigneten Altpapierpotentials (eigene Zusammenstellung; Eingangsdaten: Großmann
et al. 1994) alle Zahlenwerte in Tonnen
![]()
|
Altpapiersorte |
Bezeichnung |
Druck-
u. Verarbeitung |
Papierw.-
Handel |
Büro
u. Verwaltungen |
Gesamt |
|
untere
Sorten |
|
|
|
|
|
|
C
02 |
sort.
Gem. Druck.-AP |
30.515 |
1.383 |
201 |
32.099 |
|
D
11 |
Schwerdruck |
27.167 |
20.339 |
1.603 |
49.109 |
|
D29 |
III.
o. Rücken |
43.657 |
645 |
23 |
44.325 |
|
mittlere
Sorten |
|
|
|
|
|
|
F
12 |
Endlosformulare |
3.826 |
463 |
8.054 |
12.343 |
|
J
11 |
bunte
Akten |
4.275 |
3.794 |
58.276 |
66.345 |
|
bessere
Sorten |
|
|
|
|
|
|
K
02 |
Multidruck |
38.487 |
722 |
105 |
39.314 |
|
K
12 |
weiße
Akten, gem. |
2.648 |
343 |
3.822 |
6.813 |
|
K
22 |
weiße
Akten, h’frei |
26.489 |
14 |
5.997 |
32.500 |
|
K
51 |
Endlosf.,
3% SD |
2.796 |
300 |
3.036 |
6.132 |
|
K
59 |
Endlosf.,
o. SD |
3.395 |
14 |
3.676 |
7.085 |
|
P
22 |
Zeit.-Rot.-abr |
33.600 |
93 |
0 |
33.693 |
|
P
23 |
lllustr.-rot.-abr. |
23.828 |
82 |
14 |
23.924 |
|
krafthalt.
Sorten |
|
|
|
|
|
|
W
12 |
Kraftpap.,
gebr. |
2.400 |
393 |
0 |
2.793 |
|
W
13 |
Kraftpap.,
neu |
1.438 |
0 |
0 |
1.438 |
|
Summe |
|
244.521 |
28.585 |
84.807 |
357.913 |
|
davon 10 % |
|
24.452 |
2.859 |
8.481 |
35.791 |
Roh- und Hilfsstoffe, Abfälle

Luftschadstoffe

Abb.
3: Erreichbares
Umweltentlastungspotential durch das Direktrecycling von Altpapier zur
Herstellung von Briefumschlägen: die grau schraffierten Balkenbereiche
markieren die Bandbreite der Umweltentlastungen bei einer Umstellung der
konventionellen Umschlagherstellung auf Direktrecycling zwischen 25 und 50 %
5. Zusammenfassung
Das
von der DRP vorgeschlagene Verfahren kann aus Sicht des Öko-Instituts e.V. zu
einer deutlichen Umweltentlastung bei der Briefumschlagherstellung beitragen und
kann aus diesem Grund empfohlen werden. Während bereits die Verwendung von
Recyclingpapieren gegenüber Neupapieren in der Umschlagherstellung ökologische
Vorteile aufweist, lassen sich mit dem neuartigen Verfahren noch weitergehende
Umweltentlastungen erreichen. So kann auf eine Reihe von papiertechnischen
Prozessen verzichtet werden, womit deutliche Einsparungen im Rohstoff- und
Energieverbrauch sowie Verringerungen bei Luft- und Abwasseremissionen und beim
Abfallaufkommen verbunden sind.
Eine
Voraussetzung des DRP-Verfahrens ist die Verfügbarkeit geeigneter, ungeknickter
und unverschmutzter Altpapiere. Aus einer orientierenden Analyse des gesamten
Altpapieraufkommens in der Bundesrepublik kann das zum Direktrecycling geeignete
Altpapierpotential mit rund 36.000 bis 72.000 Tonnen pro Jahr beziffert werden,
was zwischen 25 und 50 % der insgesamt zur Zeit eingesetzten Papiermenge zur
Umschlagherstellung entspricht. Da die mit dem Direktrecycling hergestellten
Briefumschläge nach Gebrauch dem eingeführten Altpapierrecycling zugeführt
werden können, stellt das von der DRP entwickelte Verfahren eine ökologisch
sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Briefumschlagherstellung aus
Recyclingpapieren dar.
6.
Literatur
Weidhaas
1990:
Weidhaas, A.; Altpapier-Aufbereitung. In:
Göttsching, L. (Hrsg.); Papier in unserer Welt.
Düsseldorf 1990
Grießhammer et al. 1995: Grießhammer, R.; Gensch, C.-O.; Pfeifer, R.; Roffael, E.; Dix, B.; Verwendung von Durchforstungsholz und Altpapier zur Papierherstellung unter Berücksichtigung forstwirtschaftlicher Belange. Freiburg/Braunschweig 1995
STABU
1994
Stat. Bundesamt, Fachserie 4, Reihe 3.1
Produktion 33 20. Stuttgart 1994